Correctiv und die Brost-Stiftung – Teil 1: WAZ/Funke-Mediengruppe

Vor ein paar Tagen spekulierte luisman auf seinem Blog, über die Verbindung der Brost-Stiftung zu Correctiv, und warum diese die Stifung Correctiv finanziert [1].

Ich hatte daraufhin in einem Kommentar auf die Verbindung der Brost-Stiftung zu Bodo Hombach, der im Vorstand der Stiftung agiert, aber von 2002 bis 2012 einer der Geschäftsführer der WAZ-Mediengruppe, hingewiesen. Wir wollen an dieser Stelle den Faden ein bisschen weiterspinnen und uns mal generell mit der WAZ-Mediengruppe, die heute als Funke-Mediengruppe firmiert beschäftigen.  In einem zweiten Teil werden wir dann anschließend den Schwenk zu Correctiv und seinem Protagonisten David Schraven machen.

Rückblende WAZ-Mediengruppe – das Gespann Brost und Funke

Um den Aufbau der WAZ-Mediengruppe zu verstehen, muss man sich mit den beiden Köpfen hinter der WAZ-Mediengruppe beschäftigen: Erich Brost und Jakob Funke.

Hierzu bedienen wir uns etwas freizügiger bei Wikipedia [2]:

Erich Brost, Sohn eines Maschinenmonteurs, wuchs in Danzig auf und absolvierte eine Buchhändlerlehre bei der Danziger Volksstimme. Er engagierte sich frühzeitig politisch in der Arbeiterbewegung und lernte bereits in jungen Jahren Erich Ollenhauer, den späteren Vorsitzenden der SPD kennen. 1935 bis 1939 vertrat er die SPD im Volkstag, dem Parlament der Freien Stadt Danzig. Bis 1936 arbeitete er als Redakteur der Tageszeitung Danziger Volksstimme. Er heiratete 1936 seine Jugendliebe Margarete Ortmann (1904–1966) aus Danzig und ging mit ihr 1939 in die Emigration. Danach arbeitete er als Journalist in EnglandSkandinavien und Polen. Im Juni 1945 kam Erich Brost als einer der ersten emigrierten Deutschen ins Ruhrgebiet. Er hatte zuvor bei der BBC in London gearbeitet. Anfang Juni 1945 kehrte er nach Deutschland zurück und war im Auftrag der britischen Besatzungsmacht beim Kölnischen Kurier und der Ruhr Zeitung in Essen tätig. Dann bekam er den Auftrag den German News Service aufzubauen, aus dem später die Deutsche Presseagentur (dpa) hervorging. Außerdem war er beim Wiederaufbau von Radio Hamburg, dem späteren NDR beteiligt. 1946 wurde sein Sohn Martin geboren. Dietrich Oppenberg engagierte Brost als ersten Chefredakteur der Neuen Ruhr Zeitung (NRZ). Im Februar 1947 wurde Brost Repräsentant des SPD-Vorstandes beim Alliierten Kontrollrat in Berlin.

Im November 1947 bekam Brost das Angebot, Lizenznehmer für eine der geplanten unabhängigen Tageszeitungen in der Britischen Zone zu werden. Am 3. April 1948 erschien die erste Ausgabe der Westdeutschen Allgemeinen Zeitung (WAZ).

Klassischer SPD-ler, der das Glück hatte, dass die britischen Alliierten ihm das Recht gaben eine Lizenz für das Herausgeben einer Tageszeitung zu ergattern – das unabhängig habe ich hier bewusst herausgestrichen. Gab es nicht, die Presse war Teil des Re-Education-Programms der Alliierten und da bot sich ein Erich Brost natürlich an.

Kommen wir zu seinem Kompanion  Jakob Funke. Brost holte Funke mit an Bord bei der Gründung der „Westdeutschen Allgemeinen Zeitung“. Die Vita des Jakob Funke liest sich bei Wikipedia so [3]:

Nach seiner Schulzeit und ohne richtigen Abschluss und akademische Ausbildung war Funke als Journalist in Essen tätig. Er arbeitete ab 1915 zunächst bei der Rheinisch-Westfälischen Zeitung RWZ und wurde 1926 Redakteur beim Essener Anzeiger, der wie die RWZ zum Reismann-Grone-Verlag in Essen gehörte.[1] Als die Nationalsozialisten 1941 das Ende des Essener Anzeigers erzwangen, war er dessen Chefredakteur.[2] Er trat im April 1941 auf Verlangen seines derzeitigen Arbeitgebers, dem Deutschen Nachrichtenbüro, wo er als Büroleiter tätig war, in die NSDAP ein.

Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs war Funke als Journalist bei der von den englischen Besatzungsbehörden herausgegebenen Ruhr Zeitung, für die er bis zum Februar 1946 schrieb. Danach arbeitete er weiterhin in Essen für das SPD-Parteiblatt Rhein-Echo, das von Dietrich Oppenberg herausgegeben wurde. Nachdem dieser am 13. Juli 1946 die Neue Ruhr Zeitung NRZ gegründet hatte, folgte ihm Funke dorthin und wurde erster Lokalchef. In dieser Zeit lernte er den Chefredakteur der NRZ, Erich Brost, kennen.

Funke, der sich nach dem Krieg der CDU angeschlossen hatte, gründete 1948 gemeinsam mit dem Journalisten und Sozialdemokraten Erich Brost die Tageszeitung Westdeutsche Allgemeine Zeitung (WAZ).[3] Beide verfügten über jeweils 50 Prozent der Gesellschaftsanteile am Verlag.

Der eine – Erich Brost – SPD-Mann und der andere – Jakob Funke – CDU-Mann. 

Den Ausbau des Verlagswesen trieb u.a. in den 70er Jahren der Schwiegersohn von Jakob Funke, Günter Grotkamp, voran. Dieser ist der Ehemann von Petra Grotkamp, Tochter von Jakob Funke und seiner zweiten Ehefrau Rosemarie Funke, nachdem seine erste Frau starb. An die Seite von Günter Grotkamp wurde seitens Erich Brost, Erich Schumann, der der Adoptivsohn von Erich Brost und seiner zweiten Ehefrau Anneliese Brost ist, gestellt. Schumann war von 1978 bis zu seinem Tod 2007 Geschäftsführer der WAZ-Mediengruppe. Grotkamp war von 1975 bis 2000 Geschäftsführer der WAZ-Mediengruppe.

Ab 2002 wurde Bodo Hombach als Geschäftsführer der WAZ.Mediengruppe berufen, abberufen wurde er 2012. Ein klassisches Gewerkschafts- und SPD-Gewächs – Bilderbuchkarriere in diesem Club. Zunächst macht er eine Ausbildung zum Fernmeldehandwerker, dann Fachhochschulreife auf dem 2. Bildungsweg. Zwischendurch ist er Gewerkschaftssekretär, dann studiert er ab 1973 an der Fachhochschule und dann Gesamthochschule wo er als Diplomsozialarbeiter 1978 ein Studium abschloss. Von 1976 bis 1979 war er Landesgeschäftsführer der Gewerkschaft GEW in NRW. Von 1979 bis 1981 stellvertretender Geschäftsführer der SPD NRW und dann von 1981 bis 1991 Geschäftsführer derselben. Dann hatte er sich seine Sporen verdient und durfte richtig in der Politik durchstarten, Von 1990 bis 1998 war er Abgeordneter im Landtag NRW, zusätzlich 1991 bis 1998 Geschäftsführer der Preussag AG und Aufsichtsrat bei der Ruhrkohle Bergbau AG (1988 – 1998) und bei der Ruhrwasser AG (1996 – 1998), zudem Mitglied der Arbeitsgemeinschaft Wasserwerke (1995 – 1998). Zusätzlich soll er noch Teilzeitstudent der FernUni Hagen bis 1998 gewesen sein (Abschluss unbekannt). Ein wahres Tausendsassa und bestens vernetzt im tiefroten Gewerkschaftsklüngel Nordrhein-Westfalen. Danach war er noch Spin-Doctor für Kanzler Schröder und kurzzeitig bei der EU tätig. Und dann eben von 2002 bis 2012 Geschäftsführer der WAZ-Mediengruppe [4]. Und danach ist er im Vorstand der Brost-Stiftung [5].

Warum nur bis 2012? Dazu muss man wissen, was 2012 passierte.

Auch hier bedienen wir uns ein wenig bei Wikipedia [6]:

Nach dem Tod der beiden Gründer wurden die jeweiligen Anteile auf eine Reihe von Erben aufgeteilt: Die Anteile Jakob Funkes erbten 1975 die Töchter Petra Grotkamp, Gisela Holthoff, Renate Schubries und Ute de Graffenried. Nachdem sich Tochter Ute 1989 auszahlen ließ, gehörte den drei verbleibenden Töchtern je ein Drittel der Funke-Familiengesellschaft. Die Anteile Gisela Holthoffs erbte 2011 ihr Adoptivsohn Stephan Holthoff-Pförtner, ein bekannter Rechtsanwalt und Unternehmer, der lange Zeit Sprecher der Funke-Seite war.[7] Die Anteile Erich Brosts erbten 1995 zu 60 Prozent seine Witwe Anneliese Brost sowie zu 40 Prozent der von Brost 1985 adoptierte langjährige Geschäftsführer Erich Schumann. Nach dem Tod von Schumann (2007) und Anneliese Brost (2010) gingen die Anteile der Brost Verwaltungs-GmbH auf die drei Enkel von Erich Brost über.

Die Unternehmensanteile blieben zu jeweils 50 Prozent in zwei Verwaltungsgesellschaften gebündelt. […]

Mit dem Ziel, diese Konstellation zu ändern, hatte Anneliese Brost 2008 geheime Verträge mit Stephan Holthoff-Pförtner abgeschlossen, in denen unter anderem eine Kaufoption für die Holthoff-Anteile enthalten war. Petra Grotkamp versuchte gemeinsam mit ihrem Ehemann, dem langjährigen Geschäftsführer Günther Grotkamp, mit juristischen Mitteln die Teilung der Funke-Familiengesellschaft zu verhindern.[10] Nach dem Tod von Anneliese Brost unterbreitete Petra Grotkamp ihrerseits den Brost-Enkeln ein Kaufangebot, das diese mit Wirkung zum 31. Dezember 2011 annahmen. Danach gehörten Petra Grotkamp zwei Drittel der Unternehmensanteile.[11] Damit endete nach 63 Jahren die Aufteilung auf zwei Eigentümerfamilien.

Damit wird ein weiterer im Bunde sichtbar Stephan Holthoff-Pförtner. Dieser ist der Adoptivsohn von Gisela Holthoffs. In der Zeitung Horizont in einem Beitrag „Der adoptierte Verleger“, indem es um die Personalie als zukünftiger Präsident des „Verbandes der Zeitschriftenverleger (VDZ)“ geht, der er auch war, nachdem er aber Minister der Landesregierung NRW Laschet ist, nicht mehr ist. Da heißt es spitzfindig [7]:

Ist er auch Verleger? Einen Verlag gegründet hat er nicht, einen Verlag gekauft hat er nicht, in eine Verlegerfamilie hineingeboren wurde er auch nicht. Dennoch gehören ihm 16,7 Prozent der Funke Mediengruppe. Weil Gisela Holthoff, eine der Töchter von Jakob Funke, ihn adoptierte. Die 2011 verstorbene Mitgesellschafterin suchte einen Nachfolger und fand Holthoff-Pförtner, der die Familieninteressen schon lange im Aufsichtsrat vertreten hatte, der sich nicht nur für Gesellschafterverträge und Ausschüttungspolitik interessierte, sondern auch für Zeitungen, Zeitschriften, Journalisten, Politik. Ein adoptierter Verleger – wahrscheinlich ist Holthoff-Pförtner der einzige, der das irgendwie normal findet.

„Ein adoptierter Verleger“, das sei nicht normal. Was Horizont geflissentlich unter den Tisch fallen lässt, das ja auch Schumann Adoptivsohn von Erich und Anneliese Brost ist. -Spitzfindigkeiten halt eben. Man tritt auch vorher ein wenig rein, denn da heißt es [7]:

Zunächst der Anwalt: Stephan Holthoff-Pförtner, 68, hat sich nach seinem Jurastudium in Freiburg in seiner Heimatstadt Essen als Rechtsanwalt niedergelassen, verteidigte Drogendealer und Prostituierte in Strafverfahren. Mehr als drei Jahrzehnte später führt er eine noble Kanzlei mit 16 Rechtsanwälten, er vertritt Konzerne aus der Energiewirtschaft und mittelständische Unternehmen. Einen Gerichtssaal hat er schon lange nicht mehr von innen gesehen, Schriftsätze formuliert er nicht. Er ist der Akquisiteur seiner Anwaltsfirma, der Netzwerker, das Aushängeschild der Kanzlei. Im Ruhrgebiet kennt man ihn. Und schätzt ihn.

Zunächst Verteidiger für schmuddelige Dinge und dann jemand der eine Kanzlei hat, aber gar nicht mehr als Rechtsanwalt auftritt, stattdessen seine Netzwerke pflegt. Und der eben auch bei der Funke-Mediengruppe Anteilseigner ist und dort auch juristisch berät. Dabei ist Stephan Holthoff-Pförtner kein unbekannter Verteidiger. Denn er hat einen ganz dicken Fisch verteidigt, den Altkanzler Kohl in der Spendenaffäre und dafür gesorgt, dass das Verfahren gegen eine Geldstrafe von 300.000 Euro eingestellt wurde. Helmut Kohl ist mit Stephan Holthoff-Pförtner freundschaftlich verbunden, er ist zusammen mit Westerwelle „Trauzeuge“ bei dessen Besiegelung der eingetragenen Lebenspartnerschaft.

Auftreten darf im Untersuchungsausschuss ein weiterer Bekannter, Grotkamp. Dieser hatte 100.000 Euro an die CDU gespendet. Spenden ab 40.000 € wären aber namentlich veröffentlichungspflichtig. Vor dem Untersuchungsausschuss behauptet er dann, dass er für seine Frau und seine zwei Schwägerinnen gespendet hätte. Zu diesem Auftritt heißt es bei SPON [8]:

Erst da erklärte Grotkamp, warum ein privates Trio als Spender auftrat statt eines geschäftstüchtigen Verlegers: „Die WAZ wollte und sollte nicht als Spender in Erscheinung treten“, sagte Grotkamp. Seine Begründung: „Rücksicht auf die Strukturen der Leserschaft“, denn „ein Zeitungsverlag ist keine Zahnbürstenfabrik“. Mit dem Vorwurf aus dem Ausschuss, er habe also doch bewusst versucht, die Veröffentlichung zu umgehen, hatte Grotkamp kein Problem, denn das war legal: „Na und? Habe ich das Gesetz gemacht oder Sie?“

In der Spendenaffäre tritt aber noch eine weitere Größe aus dem WAZ-Medienimperum an die Öffentlichkeit: Schumann. Sie haben richtig gehört: Schumann, der Adoptivsohn von Erich (SPD-Mann) und Anneliese Brost hat Helmut Kohl 800.000 Euro gespendet. Dafür flog er aus der SPD raus.

Da haben wir also unsere Geschichte der WAZ bzw. Funke-Mediengruppe. Erich Brost, SPD-Mann, der nach Großbritannien während des Krieges emigriert und nach dem Krieg am Aufbau des NICHT unabhängigen Pressewesens in Deutschland arbeitet, kriegt 1948 die Lizenz zum Gelddrucken nach dem Krieg, er darf eine Zeitung verlegen. Dafür holt er sich Funke an Bord, der ein CDU-Mann ist. Diese benennen zunächst Grotkamp, der Schwiegersohn Funkes und den Adoptivsohn Brosts Schumann zu Geschäftsführern. Diese beiden führen die Geschäfte von Mitte der 70er bis in die 2000, also über 25 Jahre. Transformieren dabei übrigens das Zeitungsgeschäft, kaufen kräftig zu und sind zunächst auch anteilig am TV-Geschäft tätig. Beide Protagonisten sind Spender Helmut Kohls und dürfen dabei vor dem Untersuchungsausschuss aussagen. Und dann haben wir noch Bodo Hombach, der ab 2002 bis 2012 die Geschäfte tätigen darf, ein Gewerkschafts- und Sozen-Mann, der Prototyp des nordrheinwestfälischen Klüngels. Und dieser ist im Vorstand des Brost-Stiftung.

Auf der Webseite der Brost-Stiftung,  wird Anneliese Brost mit den folgenden Worten zitiert:

„Ich würde journalistische Prinzipien gegenüber wirtschaftlichen niemals zurückstellen“

Ich bin ja prinzipiell ein sehr ernster Mensch, aber an dieser Stelle darf ich einfach mal ganz kräftig lachen: HAHAHAHAHAHAHA!!!!

Fortsetzung folgt: Dann werde wir uns dem David Schraven und seinem Correctiv zuwenden.

[1] Correctiv und Mediengruppen

[2] Erich Brost

[3] Jakob Funke

[4] Bodo Hambach

[5] Brost-Stiftung

[6] Funke-Mediengrupe

[7] Der adoptierte Verleger

[8] Der Spiegel: „Wollte als Spender nicht in Erscheinung treten“

 

4 Kommentare zu „Correctiv und die Brost-Stiftung – Teil 1: WAZ/Funke-Mediengruppe

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