Staatlich geförderte Netzwerke: Open Knowledge Foundation & Co

Unsere Geschichte wirkt ein bisschen unstrukturiert und nicht zu Ende recherchiert. Das ist sie auch nicht und soll sie auch nicht. Der Grund ist u.a. der, dass die Protagonisten und „Netzwerker“ dieser Geschichte intransparent agieren, obwohl sie vorgeben für „Open Knowledge“ zu sein. Zudem soll sie nur einen Anreiz geben und den Leser ermutigen nachzurecherchieren, eigene Fragen zu stellen und auf „der Hut“ zu sein.

Unsere Geschichte beginnt bei einem Portal, welches „fragdenstaat“ heißt und auf den ersten Blick einen guten Zweck hat [1]. Auf diesem können Bürger Anfragen an Ministerien nach dem Informationsfreiheitsgesetz stellen. Auf der Webseite heißt es [2]:

FragDenStaat ist ein Projekt des gemeinnützigen Open Knowledge Foundation Deutschland e.V. Es wurde 2011 ins Leben gerufen und ist seitdem stetig gewachsen.

Unter „Über uns“ findet sich das (aktuelle) „Team“: Arne Semsrott und Stefan Wehrmeyer. In der Eigendarstellung heißt es zu Stefan Wehrmeyer:

Stefan ist Softwareentwickler und gründete FragDenStaat 2011.

Zu Arne Semsrott heißt es:

Arne ist Projektleiter und seit 2014 im Team von FragDenStaat.

Geht man auf die Webseite wia Wayback Machine so wird dort unter „Über“, bei „Projektleitung“ ausgewiesen:

FragDenStaat.de wurde von Stefan Wehrmeyer entworfen und umgesetzt. Wehrmeyer arbeitete laut seinem Blog von 2014 bis 2017 für correctiv, er schreibt [3]:

During my time at correctiv.org (2014-2017) I created database news apps, scraped and collected data, analyzed it for investigations, worked on the CMS and was responsible for digital security in the newsroom.

Zusätzlich werden 11 Organisationen angegeben die das Projekt unterstützen, u.a.

  • netzwerk recherche
  • ver.di
  • open data network
  • n-ost

Zudem finden sich eine Reihe von Unterstützern, u.a. Jonathan Gray und mehrere Personen aus dem Umfeld des „Agile Knowledge Engineering and Semantic Web (AKSW)“ [4].

Zudem erfährt man, dass das Projekt von der „OpenKnowledgeFoundation“ gefördert wird. Geht man über die WayBackMachine auf die Webseite, so findet sich dort ein Eintrag von Daniel Dietrich vom 07. Februar 2010, in dem er alle zur Gründungszeremonie einlädt:

Wir möchten Sie herzlich zur feierliche Gründungszeremonie des deutschen Zweiges der Open Knowledge Foundation am 6. Mai auf dem Leipziger Semantic Web Tag 2010 einladen.

Dietrich sitzt aktuell auch noch im Vorstand und es heißt, dass er von 2011 bis 2015 Vorsitzender war.

Open Data Foundation

Dietrich wird auch als offizieller Repräsentant ausgewiesen, mit Verweis auf das „Open Data Network“, auf der Webseite (via Wayback) taucht er auch als Vorsitzender dieses Vereins auf.

Als stellvertretender Vorsitzender wird Markus Beckedahl aufgeführt. Beckedahl hat netzpolitik.org gegründet, mehr Informationen zu Beckendahl und Netzpolitik und seinen Querverbindungen in diesem Artikel von journalistenwatch [5].  Über ein erstes Treffen von „Open Data Network“ berichtet netzpolitik.org [6], ohne allerdings auf die Querverbindungen einzugehen. Geht man auf die aktuelle Adresse der „Open Data  Network“-Webseite so wird man umgeleitet auf die deutsche „Open Knowledge Foundation“, es scheint so zu sein als ob das „Open Data Network“ in die „Open Knowledge Foundation“ aufgegangen ist.

Als Kassenwart wird Urs Kleinert aufgeführt. Kleinert (der gleiche?) taucht auf diversen Webseiten verschiedener Organisationen auf, wie z.B. attac, SPD und der republica. Es findet sich aber auch ein Artikel auf der Webseite euractiv.de [7]. Die Eigendarstellung von Euractiv lautet wie folgt:

Fondation EURACTIV ist eine gemeinnützige Stiftung nach belgischem Gesetz. Sie wurde 2014 gegründet und verbindet Einzelpersonen und Organisationen miteinander, die die EU-Politik mitgestalten wollen. Die Stiftung ist keine Lobbyorganisation und ist mit keinerlei politischen oder religiösen Gruppen verbandelt.

Wer sich auf der Webseite näher umschaut und deren Beziehungen zu anderen Organisationen analysiert, weiß sofort, das man einfach die Eigendarstellungen negieren muss, um deren Absichten und Ziele zu kennen. Hier gibt es verschiedenste Verbindungen zu Journalisten, Zeitungen und Zeitschriften und Lobbyisten. Als Komiteemitglieder wird u.a. Bernd Huettemann aufgeführt, der für das „European Movement Germany“ dort sitzt [8]. Es empfiehlt sich einen Blick auf die Webseite dieser Organisationen zu werfen.

Als weiterer Protagonist des „Open Data Networks“ tritt Stefan Gehrke in Erscheinung, er wird als Beisitzer aufgeführt. Gehrke schreibt für politik-digital, welcher wiederum als Verein agiert. Hier findet sich auch ein Artikel über die Gründung von „Open Data Network“ das von ihm selber gegründet wurde [9]. Er weist aus, dass er von Juli 2008 bis Dezember 2010 der Geschäftsführer von pol-di.net e.V. /politik-digital.de war [10].

Jonathan Gray

Jonathan Gray ist verlinkt auf die „britische“  „Open Knowledge Foundation“, wo er als „Community Organisator“ ausgegeben wird [11]. Interessant an dieser Seite ist, dass sie schon 2004 gehostet wurde, mindestens in der 1. Eintrag, der in Wayback Machine zu finden ist, datiert auf den 04. Augst 2004. Dort findet sich aber kein Hinweis auf Gray.

Gray gab auf dem Zeitblog ein Interview, welches er mit Lorent Matzat führte [12]. Er publiziert auch Artikel auf „OpenDemocracy“, welches von George Soros (mit)finanziert wird [13].

Lorent Matzat betreibt den Blog „Datenjournalist“ [14], die Darstellung in der HuffingtonPost lautet [15]:

Von Oktober 2010 bis Anfang September 2011 schrieb er das OpenData Blog auf Zeit online. Er ist Mitbegründer des OpenData Network e.V. 2010 half er mit, die Plattform meine-demokratie.de zu starten.

Als freier Autor war Matzat unter anderem für die Wochenzeitung “Der Freitag” und die Tageszeitung “taz” tätig. Artikel von ihm erschienen auch auf Hylerlandblog/ZDF und golem.de. Regelmässig schreibt er für netzpolitik.org und bloggt für das ND über Drogenpolitik.

Matzat hat auch Wehrmeyer am 07.11.2011 interviewt [16], als „Disclaimer“ wird festgehalten:

Disclaimer: Stefan Wehrmeyer ist genau wie der Autor Mitglied des OpenData Network e.V.

Hier schließt sich wiederum ein „loses Ende“ im Netzwerk.

Arne Semsrott

Zu Arne Semsrott findet sich ein ausführlicher Artikel auf journalistenwatch mit der Überschrift „Arne und Nico Semsrott: Die Soros-Brüder vom ZDF“ [17]. Bei fragdenStaat gibt es auch einen Blog. Auf diesem gibt es zum Beispiel einen Artikel vom 30. 2012 von Michael Hörzel „Vermisst”-Aktion auf Klischee-Bezirke beschränkt“, hier heißt es zudem:

Dieser Beitrag erscheint als Crossposting auch im Data-Blog von ZEIT Online.

Der Leser sei aufgefordert gerne selber weiter zu recherchieren und sich Gedanken zu machen. Ein interessanter Ansatzpunkt ist es sich die Geschäftsberichte näher anzuschauen und den sprunghaften Zuwachs an Zuwendungen aus dem BMBF und dem BMFSFJ [19] [20]. Ein  weiterer Ausgangspunkt ist ein Artikel auf dem Blog von Vera Lengsfeld  zum Thema n-ost [21].

Quellennachweise:

[1] https://fragdenstaat.de/info/ueber/team/

[2] https://fragdenstaat.de/info/ueber/team/

[3] https://stefanwehrmeyer.com/projects/

[4] http://aksw.org/About.html

[5] https://www.journalistenwatch.com/2018/08/04/das-jouwatch-sommerraetsel/

[6] https://netzpolitik.org/2009/erstes-treffen-des-opendata-networks/

[7] https://www.euractiv.de/section/europakompakt/opinion/katalonien-und-macron-ein-europaeisches-puzzle/

[8] https://www.netzwerk-ebd.de/

[9] https://politik-digital.de/news/opendata-network-gegruendet-4612/

[10] https://politik-digital.de/user/sgehrke-2/

[11] https://web.archive.org/web/20111106033520/http://okfn.org:80/contact

[12] https://blog.zeit.de/open-data/2010/12/17/eurostats-hackday-jonathan-gray/

[13] https://www.opendemocracy.net/author/jonathan-gray

[14] https://www.datenjournalist.de/

[15] https://www.huffingtonpost.de/author/lorenz-matzat/

[16] https://www.datenjournalist.de/stefan-wehrmeyer-open-data-und-nahverkehr/

[17] https://www.journalistenwatch.com/2018/08/01/arne-nico-semsrott/

[18]https://web.archive.org/web/20130410001328/http://blog.fragdenstaat.de:80/post/36881814360/vermisst-aktion-auf-klischee-bezirke-beschraenkt

[19] https://okfn.de/files/verein/OKFDE-Taetigkeitsbericht-2016.pdf

[20] https://okfn.de/files/verein/OKFDE-Taetigkeitsbericht-2017.pdf

[21] https://vera-lengsfeld.de/tag/n-ost/

 

Ein Kommentar zu „Staatlich geförderte Netzwerke: Open Knowledge Foundation & Co

  1. Hat dies auf Goldstein deutsch rebloggt und kommentierte:
    Es ist schier unmöglich die Geflechte der organisatorischen Verbindungen in Deutschland aufzudrösel. Jeder der ein bisschen dazu beiträgt, verdient einen Orden. Diese Art von Recherche endet immer in Erschöpfung. Man entfernt sich von gängigem Wissen und macht ein Fass nach dem anderen auf. Es muss in willkürlichen Häppchen serviert werden.

    Mehr zum erwähnten n-ost.
    https://vera-lengsfeld.de/2018/04/18/woher-stammt-ihr-bild-von-viktor-orban/

    Zu n-ost gehört auch ein dubioses „Magazin“ mit über hundert Autoren aber kaum mehr Lesern als mein Blog: ostpol. Die Autoren finden sich zufällig in sämtlichen großen Zeitungen auch wieder. Die Spenderliste ist glamorös.

    Das erwähnte „correctiv“:
    https://goldsteinweb.wordpress.com/2018/07/14/a-peek-into-correctiv/
    In meinem Artikel weiterführende Links zu Recherchen von Luisman und Sciencefiles.

    Es ist immer ein Fass ohne Boden.

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