Sea Changes von Derek Turner

Urlaubszeit ist auch Lesezeit. Der Stapel meiner noch nicht gelesenen Bücher hatte sich zwar schon zuvor reduziert. Aber da lagen noch ein paar Bücher. Und so schnappte ich mir „Sea Changes“ von Derek Turner, welches in der deutschen Übersetzung 2018 im Jungeuropa Verlag veröffentlicht wurde. Sea Changes wurde von Derek Turner 2010/11 geschrieben und 2012 in englischer Sprache veröffentlicht. Das deutsche Vorwort liefert kein geringerer als Richard Spencer, was das Buch schon einen Platz im Olymp der Geächteten mitbrachte. Pikantes weiteres Detail, das Original wurde übrigens bei „Washington Summit Publisher“ veröffentlicht, diesen Verlag leitet Richard Spencer. Richard Spencer darf übrigens nicht mehr in die Europäische Union einreisen, da er eine Gefahr für die öffentliche Sicherheit darstellt. Genau – und der ehemalige Leibwächter von bin Laden stellt diese nicht dar.

Das Buch selber ist in drei Teile untergliedert und in 24 Kapitel. Die Haupthandlung findet in einer fiktiven Zeitspanne vom 5. August bis zum 6. November statt. Das Werk umfasst zudem 460 Seiten. Das Buch dreht sich schwerpunktmäßig um 4 Protagonisten. Ausgangspunkt der Handlung ist das Anschwemmen von „Flüchtlingen“ an der Küste von England. Diese sind bis auf einen allesamt tot. Dieser eine ist der Migrant Ibrahim, der aus dem Irak kommend seinen Weg nach England nimmt. Stationen seiner illegalen Reise sind Syrien, die Türkei, Griechenland, Bulgarien, usw. bis er schließlich an einem Strand als einzig Überlebender angespült wird. Diese Stationen und seine Erlebnisse sind in die Geschichte mit eingewebt, sozusagen als Rückblende, da wie schon gesagt, das Buch mit dem Anschwemmen der Leichen an den Strand der Ostküste Englands beginnt, dieses wird im ersten Kapitel kurz erzählt. Das 2. Kapitel befasst sich dann mit der Kindheit, Jugend und dem Erwachsenen Ibrahim wie er in Basra aufwächst und lebt. Zunächst ohne Vater, später stirbt auch die Mutter und er muss sich um seine Geschwister kümmern. Der Autor verwendet viele Seiten damit um eine glaubwürdige Geschichte aufzubauen und soetwas wie Empathie für die Lage von Ibrahim beim Leser aufzubauen. Im 3. Kapitel lernen wir Dan kennen. Dieser ist ein einfacher Farmer, der eine Farm betreibt, die schon seine Vorfahren beackert haben. Dan begibt sich nachdem er von dem „Unglück“ gehört hat an die Küste, von der er wenige Kilometer weit weg wohnt, um sich das Geschehen näher anzuschauen. Kamerateams haben sich schon aufgebaut um über die Geschehnisse zu berichten und eines dieser Teams fängt Dan ein, als dieser schon wieder gehen will, da er die Ernte einholen muss. Dan wird nach seiner Meinung zu dem Unglück gefragt und dieser antwortet einfach und ehrlich. Und das ist sein Verhängnis, denn er hat zwar Mitgefühl für die armen dummen Leute, die dort angeschwemmt wurden. Er weist aber auch daraufhin, dass diese halt illegal in das Land eingedrungen sind. In Kapitel nehmen wir nämlich Bekanntschaft mit Journalisten John Leyden auf, bei dem sich der Autor reichlich Mühe gibt ihn ausführlich und „sympatisch“ zu beschrieben – Schublade links-grünversiffter-gutmenschlicher Hetzer! Er erfährt von dem Unglück aus dem Fernsehen und schreibt eine Kolumne in der er über den Bauern und seine Nachbarn hetzt und diese verleumdet. Sein journalistischer „Gegenspieler“ ist der 70-jährige Albert Norman und damit dienstälteste Kolumnist des Sentinel einer altmodischen Zeitung, die dennoch ihre Stammleser hat und die diese insbesondere wegen der Alberts Kolumne lesen. Dieser antworte auf Leydens Kolumne mit einem Text mit der Überschrift „Die Toten am Strand – Jammerschade, aber nicht unsere Schuld!“Es kommen weitere Protagonisten zur Sprache. Es mischen sich Politiker verschiedener Parteien ein, es wird eine Demonstration organisiert (inkl. Antifa) und den Bewohnern wird in die Schuhe geschoben, dass sie am Unglück Schuld seien. Da einige Leichen auch Schussverletzungen aufweisen, wird den Bewohnern unterstellt, dass sie die Verunglückten erschossen hätten. Turner schafft es in Summe auf brillante Art und Weise die verschiedenen Charaktere herauszuarbeiten und in Szene zu setzen. Er widmet sich sehr viel der Geschichte Ibrahims, auch nachdem er in England angekommen ist und seiner Gefühlslage. Auch die anderen Charaktere kann er glaubwürdig zeichnen und man kann entsprechend mitfiebern. Erstaunlich ist aber, wie (un)glaubwürdig die Geschichte ist, wenn man bedenkt das er diese Geschichte 2010/11 geschrieben hat, also noch vor der Grenzöffnung Merkels. Und es ist auch erstaunlich wenn man den realen Spin eines solchen Unglücks beobachtet, wie am Tod des Jungens, dessen Vater von der Türkei nach Griechenland (diese Route nimmt auch Ibrahim) übersetzt und der kleine Junge ertrinkt. Die Medienreportagen inkl. der Instrumentalisierung des toten Jungens der auf den Titelseiten veröffentlicht wird, nachdem er zuvor noch ordentlich drapiert wird und die entsprechenden  Schuldzuweisungen die daraufhin folgen.

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