Die planwirtschaftlichen Illusionen im Wohnungsneubau

Der Abgeordnete Hagen Reinhold (FDP, Frage 48) fragt die Bundesregierung:

Mit welchen Maßnahmen will die Bundesregierung die Kapazität bei Planung, Bauleistung und Materialherstellung erhöhen, sodass in den nächsten Jahren jeweils 400 000 Wohnungen entstehen ausgehend davon, dass die Bundesregierung das Ziel hat, dass 1,5 Millionen neue Wohnungen in dieser Legislaturperiode entstehen und nachdem nur 300 000 Wohnungen im Jahr 2018 fertiggestellt wurden?
Die Antwort der Bundesregierung darauf ist erstaunlich, denn diese will an ihrem Ziel innerhalb dieser Legislaturperiode festhalten (wenn sie denn komplett durchhält) und dafür Sorge tragen, dass 1,5 Millionen neue Wohnungen gebaut werden. In einem anderen Blogbeitrag „Hirnlose Plakatparolen“ hatte ich auf den Zusammenhang zwischen hoher Nettozuwanderung und den daraus resultierenden Folgen am Wohnungsmarkt geschrieben. Ich hatte zudem auf die Tatsache, dass man Parteien die sich für bezahlbaren Wohnraum und für eine hohe Zuwanderung  ausspechen in meinen Augen Scharlatane sind. Dort hatte ich auch schon auf die steigende Zahl von Neubauten hingewiesen und der moderaten Erhöhung der Mitarbeiter im Baugewerbe, aber auch der Tatsache, dass die Anzahl der Auszubildenen sinkt.
Die Bundesregierung weist in diesem Zusammenhang auf das Ifo-Institut und seinen Zahlen im ifo-Schnelldienst 2/2019 und behauptet:
Die Entwicklung der Preise für Bauleistungen ist somit höher als die allgemeine Inflationsrate. Die Preissignale auf dem Baumarkt sind also eindeutig. Gleichzeitig verstetigt die Bundesregierung ihre Investitionen in die Infrastruktur auf hohem Niveau und verbessert die Rahmenbedingungen für den Wohnungsneubau deutlich.
Die Anzahl fertiggestellter Wohnungen ist zwischen den Jahren 2009 und 2017 um rund 80 Prozent von 158 987 auf 284 816 Wohnungen angestiegen. Dieser positive Trend wird voraussichtlich weiter anhalten (ifo Schnelldienst 2/2019, ifo Institut, München, 2019). Die Neubautätigkeit im Jahr 2017 lag noch unter dem voraussichtlichen Bedarf von rund 350 000 Wohnungen pro Jahr. Auf dem Wohngipfel am 21. September 2018 hat sich die Bundesregierung deshalb gemeinsam mit Ländern und Gemeinden auf ein umfassendes Maßnahmenpaket verständigt, um den Wohnungsbau anzukurbeln und das angestrebte Ziel von 1,5 Mio. neuen Wohnungen in dieser Legislaturperiode zu erreichen. Vor diesem Hintergrund hat die „Wertschöpfungskette Bau“ (Planer, Bauunternehmen, Baustoffindustrie) bereits begonnen, ihre Kapazitäten auszuweiten. Die Unternehmen stellen Mitarbeiter ein und investieren z. B. in die Digitalisierung, in Baumaschinen und sonstige Produktionswerte, die für ihr Geschäft benötigt werden – u. a. auch in Produktionsanlagen für das „Serielle Bauen“.
Hervorhebunge im Zitat durch den Blogautor.
Fangen wir mit der ersten Hervorhebung an: „Die Preissignale auf dem Baumarkt sind also eindeutig.“ Der entscheidende Punkt ist nicht, ob die Preise höher als die Inflation sind, sondern ob ein normaler Investor der Wohnungen vermieten will entsprechende Preise am Wohnungsmarkt durchsetzen kann. Falls nicht, wird er gegebenfalls Abstand von dieser Investition nehmen. Was zusätzlich nicht erwähnt wird, ist die Tatsache, dass die Bauvorschriften und gestiegende Grunderwerbssteueren die Preise verteuern.
Als zweite Begründung führt die Bundesregierung die Steigerung von 80% im Zeitraum 2009 bis 2017 an neu erstellten Wohnungen an. Für den Zeitraum 2012 bis 2017 ergibt sich eine durchschnittliche jährliche Steigerung von 7,4%, mit einer leicht niedrigeren für die letzten 3 Jahre in diesem Zeitraum. Mit einer solchen Steigerung wird dummerweise das Ziel 1,5 Millionen an neuen Wohnungen am Ende dieser Legislaturperiode erstellt zu haben komplett erfehlt.
Als dritte Begründung wird das ifo-Institut zitiert. Im ifo Schnelldienst 2/2019 ist der Artikel „Europäische Bauwirtschaft bleibt bis 2021 auf Expansionskurs“ erschienen. Was lesen wir hier als Prognose für Deutschland? Wir können hier der Tabelle 1 „Wohnungsfertigstellungen in Europa nach Ländern 2017 bis 2021“ die folgenden Zahlen für Deutschland entnehmen (in Tausend Stück):
2017 2018 2019 2020 2021
284,8 300 310 315 320
Nimmt man der Einfachheit an, dass die Legislaturperiode von 2018 bis 2021 beträgt, so ergeben sich unschwer die Zahl von 1.245.000 (prognostizierten) neu erstellten Wohnungen. Diese Zahl ist niedriger als die gewünschten 1.500.000 neue Wohnungen. Nun weiss ich nicht, warum die Bundesregierug das Ifo-Institut zitiert, wenn man dann am Ende nicht in der Lage ist eine Tabelle abzulesen, in der die von der  Bauwirtschaft prognostizierten Zahlen wiedergegeben werden. Wer hat hier die bessere Glaskugel? Die die vom Fach sind oder die Planwirtschaftler in der Bundesregierung. Das Ganze erinnert an die DDR und andere planwirtschaftliche Staaten, die auch regelmässig ihre 5-Jahrespläne verfehlt haben und trotzdem die Parteianhänger mit Lametta für „Überfüllung“ umhangt haben. Das ifo-Institut konstantiert vor allem für Deutschland:
Wegen der extrem hohen Auslastung des Baugewerbes, aber auch diverser Lieferschwierigkeiten von Produzentenseite, dürfte die Fertigstellungszahl aber lediglich in kleinen Schritten steigen.
Aber gut, dass die Bundesregierung in ihrer Antwort das Wort „Digitalisierung“ unterbringen konnte, das hilft bestimmt weiter vielleicht bei der Schaffung weiterer Fördertöpfe wo dann weitere Papiertiger Papier vollschreiben dürfen.

2 Kommentare zu „Die planwirtschaftlichen Illusionen im Wohnungsneubau

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