Berateraffäre im Verteidigungsministerium

Hadmut Danisch verlinkte heute auf einen Artikel der taz bezüglich der Berateraffäre im Verteidigungsministerium. Konkret geht es um den Vorwurf unter der Verteidigunsministerin v.d. Leyen und ihrer Rüstungsstaatssekräterin Suder seien nicht nur die Beratungsausgaben explodiert, sondern auch bestimmte Beratungsfirmen bevorteilt wurden – beziehungsweise diese ohne Ausschreibungen zugeschanzt wurden.

Am Donnerstag 27.06.19 tagte der Untersuchungsausschuss. Vorgeladen waren Timo Noetzel und General Erhard Bühler. Die taz schreibt:

Noetzel erklärte, dass sein Arbeitgeber auf Grund der besonderen Fähigkeiten beauftragt worden sei und nicht nur um IT-Dienstleistungen zu erbringen. Accenture sei die einzige Firma, die Digitalisierungsleistungen von der Konzeption bis zur Umsetzung durchführen könne. Darum seien höhere Stundensätze abgerechnet worden, auch für ihn selbst.

Finde ich interessant. Da ich die Accenture schon in Projekten kennengelernt habe, würde ich den Satz glattwegs negieren – sie können es nicht. Nicht umsonst existiert der Begriff „Accidenture“ als Verballhornung dieser Firma. Dazu kommt natürlich, dass es dutzende bzw. hunderte Firmen gibt die soetwas können. Darunter nicht nur die grossen, sondern auch durchaus kleinere. Mit Sicherheit auch für die Beschaffung im Verteidigungsministerium.

Mich hat neugierig gemacht, wer denn dieser Timo Noetzel überhaupt ist, da die taz schreibt er sei Politologe. Auf der Webseite der Universität Konstanz, dem Exzellenzcluster „Kulturelle Grundlagen von Integration“ findet sich eine Vita. In Kurzform: Studium von 1997 bis 2006, mit höchstem Abschluß Dr. phil in Politics am St. Antony’s College, Oxford University. Danach ist er bei der Stiftung „Wissenschaft und Politik“ gewesen von 2006 bis 2008. Wie ich schon in meinem Artikel Ulrike Beate Guérot ausführte erhält diese Stiftung eine jährliche institutionelle Förderung aus dem Bundeskanzleramt für 2018 (Soll) in Höhe von 13.417.000 € und für 2017 (Soll) 13.225.000 €. Das ist ein Parteien-Pseudo-„Think-Tank“. Interessant ist, dass der Herr Noetzel  in der „IP – Internationale Politik“ mehrere Artikel veröffentlicht hat. Diese ist die Hauspostille der „Deutsche Gesellschaft für Auswärtige Politik e.V.“ Auch diese wird gefördert. Genauer gesagt existiert eine institutionelle Förderung aus dem Auswärtigen AMt in Höhe von 1.416.000 € für 2018 (Soll) und für 2017 in Höhe von 876.000 € (Soll). Die aktuellste DGAP Info ist übrigens die, dass Dr. Thomas Enders der neue Präsident der DGAP ist. Enders ist der frühere Airbus-Chef. Interessanterweise fing dieser nach seinem Studium zunächst bei der DGAP an.

Sucht man nach Timo Noetzel in der Publikationsdatenbank der Zeitschrift IP, so ist der erste Eintrag der angezeigt wird: „smart Defence – Anspruch, Mehrwert und Auswirkungen für Europa“. Geschrieben wurde dieser von: Wolfgang Ischinger, Wolfgang Schneiderhan, Philipp Gallhöfer, Bastian Giegerich, Ryan Mol, Timo Noetzel. Wolfgang Ischinger dürfte jeder kennen. Der Schmutz unter dessen Fingern lässt sich nicht fortwaschen. Wolfang Schneiderhan dürfte auch jedem etwas sagen. Um Entlassung gebeten bzw. um Versetzung in den Ruhestand weil er Informationen über den Kunduz-Luftangriff gegenüber dem damaligen Verteigungsminister Guttenberg zurückgehalten hat. Und u.a. mit diesen beiden publiziert er diesen Artikel.

Laut tagesspiegel soll Noetzel aber auch kurzzeitig für den Berliner Verfassungsschutz und die Münchener Sicherheitskonferenz gearbeitet haben und 2013 zum Wahlkampfteam von Peer Steibrück gehört haben. Ein SPD-Mann also.

Und dieser „Digitalisierungs“-Experte wird dann bei Accenture eingestellt und steigt schnell zum „Managing Director Health & Public Service“ bei Accenture auf. Digitalisierung damit kennt er sich wohl am wenigsten aus. Er ist aber gut vernetzt und macht deshalb vermutlic Karriere.

2 Kommentare zu „Berateraffäre im Verteidigungsministerium

  1. Die „Stiftung Wissenschaft und Politik“ ist der sichtbare Teil des Deep State. Gegründet von einem Nazi-Geheimdienstler („Fremde Heere Ost“) und Ritterkreuzträger unter Anleitung der US-amerikanischen Geheimdienste. Überall da wo es in Deutschland nach Transatlantikum aussieht stecken sie dahinter. Als ich noch bei ZON kommentieren durfte sind mir immer wieder die dort veröffentlichten Propaganda-Artikel der SWP aufgefallen.

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