Ein IAB-Kurzbericht, die ARD, Sciencefiles und die Beschäftigquote von „Schutzsuchenden“

Die ARD brillierte die Tage wieder einmal mit einer Fake-News-Story bezüglich der Zahl der in Arbeit stehenden  „Flüchtlinge“. Diese verwies auf eine Story des IAB und fabrizierte daraus entsprechende Unwahrheiten. Scienfiles hat dann in einem Blogbeitrag zunächst den Artikel gekonnt zerlegt und im Anschluß auf methodische Probleme des Kurzberichtes hingewiesen.

Aber der Reihe nach. Die ARD hatte berichtet, dass über 50% bzw 68% der Flüchtlinge nach 5 Jahren einem Teilzeit- bzw. Vollzeitjob nachgehen. Dieses soll eine angebliche Befragung von 8.000 Flüchtlingen ergeben haben. Sciencefiles nimmt in gekonnter Manier diese Artikel auseinander und verweist darauf, dass keinesfalls 8.000 Flüchtlinge befragt wurden sind. Bezüglich der Stichprobe zitieren Sie einfach den IAB-Bericht:

“Die Gesamtstichprobe umfasst inzwischen 7.950 erwachsene Personen, die mindestens einmal befragt wurden. Davon nahmen 4.465 Personen an der ersten Befragungswelle 2016 teil, von denen 1.761 Personen sowohl 2017 als auch 2018 erneut befragt werden konnten, 2.964 Personen können über zwei Befragungswellen beobachtet werden.

Danach geht Sciencefiles der weiteren Fragestellung nach, welcher Art von Beschäftigung diese Personen denn nachgehen und auch zitieren Sie de facto einfach. 44% der „Flüchtlinge“ gehen einer Helfer- bzw. Anlerntätigkeit nach, 52% einer fachlich ausgerichteten Tätigkeit, 2% komplexe Spezialtätigkeiten und 3% einer hochkomplexen Tätigkeit.

Im Anschluß darauf verweist Sciencefiles, dass auch die Verfasser des Kurzberichts unsauber arbeiten. Diese behaupten, dass der von Ihnen verwendete Datensatz aus dem Ausländerzentralregister gezogen wurde:

“Die IAB-BAMF-SOEP-Befragung von Geflüchteten ist eine Längsschnittbefragung von Personen, die als Schutzsuchende nach Deutschland zugezogen sind. Zusätzlich nehmen ihre Haushaltsmitglieder an der Befragung teil. Die Stichprobe wurde aus dem Ausländerzentralregister gezogen.”

Dieses ist falsch, da

“Die IAB-SOEP-Migrationsstichprobe M1 wurde aus den Integrierten Erwerbsbiografien (IEB) gezogen und 2013 erstmalig befragt. Es werden 250 Regionaleinheiten mit einem mehrstufigen Verfahren gezogen, so dass jede Person aus der Grundgesamtheit unserer Zielpopulation die gleiche Wahrscheinlichkeit hat, in die Stichprobe zu gelangen.”

Sciencefiles stellt am Ende fest:

Im Datensatz der drei Autoren sind 2018 49% der Migranten erwerbstätig, in den Daten der Bundesagentur für Arbeit sind es lediglich 35%, also 14% weniger. Das ist erheblich und mit nichten etwas, was man als “weitgehend konsistent” bewerten kann.

Interessant in diesem Zusammenhang ist, dass bezüglich der Arbeitslosenzahlen auf die „normale“ Statistik der Bundesagentur für Arbeit zurückgegriffen wird. In dieser werden nur die acht nicht-europäischen Herkunftsländer kumuliert ausgewiesen. Ich hatte in einem älteren Beitrag [1] schon darauf hingewiesen, dass es eine eigene Statistik für die „Flüchtlinge“ existiert. In diesem hatte ich den Bericht „Personen im Kontext von Fluchtmigration – Deutschland, Länder, Kreise, Agenturen für Arbeit und Jobcenter (Monatszahlen)“ zitiert.

 

 

Quellennachweise:

[1] Anmerkungen zur angeblichen Beschäftigungsquote von „Flüchtlingen“

 

 

 

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